

Quelle: Magazin MO, Ausgabe April 2008 www.mo-web.de Das Triple Komplott England ist selber schuld. Wer den Aufstand der Straße anzettelt, muss sich über den Sturz der Regentin nicht wundern. Die AUFGERÜSTETE STREET TRIPLE der Firma Triple Tuning verbindet schlankes Gewicht mit eindrücklicher Literleistung und macht Triumphs Markenikone Speed Triple damit beinahe überflüssig.
Doch halt, da ist ja noch der große Triple, der mit dem Straußenei-Bizeps, der dich vom Fleck fegt wie eine Schwarzpulverexplosion. Ein Monument der Motorkultur, unangefochten mächtig, herrlich charismatisch, unverzichtbar. Einer, der deine Sympathien gleich bei der ersten Probefahrt in seinen großen Sack packt und künftig nicht wieder ziehen lässt. 126 Pferde Vorsprung hat er mit seinen 1050 ccm auf den 675er und 36 saftige Newtonmeter. Das sichert ihm den Thron im Lande des Hubraum-Fetischismus. Noch. Doch was wäre wenn? Wenn man dem 675er Beine machte, per Tuning wohlwollend unter die Arme griffe?
Burkhard Stember, der den Ableger Triple Tuning leitet und fürs Motortuning verantwortlich zeichnet, fasst die Tuningmaßnahmen flott zusammen: Zylinderkopf mit Ein- und Auslasskanälen und Ventilsitzen überarbeitet, ein wenig Zugabe bei der Verdichtung, Brennräume auslitern, dazu eine andere Einlassnockenwelle, ein bisschen Feintuning an den Steuerzeiten und eine Neuabstimmung mit Power Commander. Und natürlich die BOS-Auspufftöpfe, die bringen drei bis vier PS. Klingt völlig unspektakulär, wie er das so sagt, der Herr Stember. Und das passt nun wirklich überhaupt nicht zu dem emotionalen Beben, mit dem die Ausfahrt mit seiner Street Triple gerade mein noch wintermüdes Nervenkostüm durchgerüttelt hat. Wenn die Kleine so rackert, tja, dann kann die Große einpacken. Grundböse schon mal die BOS-Töpfe. Legal seien die, sagt Herr Stember, und
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Schwamm drüber, beim nächsten Mal fahre ich einfach mit ein bisschen mehr Drehzahl an. Und dann gibt sich der 675er keine Blöße mehr. Drückt das bisschen Masse nach vorn, als hätte er
Auf 77 Newtonmeter bringt es der Dreizylinder mit seinen 675 ccm, Respekt. Und dann ist da noch die Spitzenleistung. Erst bei satten 128 PS, also gerade mal drei Pferde unter der Spitze der Großen, ist Schluss. „Mit entsprechender Nockenwelle am Auslass ginge noch mehr, doch die fette Charakteristik in der Drehzahlmitte wollten wir nicht preisgeben“, sagt Stember. Gut so. So dürfen die Engländer den Triple gern in Serie bauen. Mit 188,5 Kilogramm vollgetankt liegt die Streety noch mal 3,5 Kilogramm unter Serie. O weh, arme Speed Triple. Doch es gibt ja auch Menschen, die beim Motorradfahren gerne etwas Gegenwehr verspüren. Denen so viel Kraft in schwindsüchtiger Verpackung eher suspekt ist, denen es auch zu potent, zu leicht, zu kompakt sein kann. Hier liegt die Chance der Großen.
Das Fahrwerk der Street Triple passt schon serienmäßig ganz ohne Einstellschräubchen sehr gut, wird erst beim Parforce-Ritt etwas nachgiebig um die Lenkachse. Wilbers wäre nicht Wilbers, würde er das Krad im Serienornat an den Start schicken. Und so steckt hinten ein sündhaft teures Federbein aus eigener Fertigung im Rahmen, natürlich mit allen Einstellraffinessen inklusive High- und Lowspeed-Druckstufendämpfung gesegnet. Die Gabel wurde mit härteren Federn und dickerem Öl angestrafft. Viel Gefühl für die Straßenoberfläche bringt das, und auch in der 200-Sachen-Kurve auf dem Autobahn-Zubringer liegt die Triumph damit stur wie ein Road Train. Ein Jungbrunnen. Drumherum bastelt Triple Tuning noch ein paar Goodies, die der Hülle die Aufmerksamkeit bringen sollen, die eigentlich das Innenleben verdient hat: schöne, aber etwas kurze Pazzo-Hebel für Bremse und Kupplung, modisch gewellte Bremsscheiben, technoid gefräste Rückspiegel wie Rasten und ein kürzeres Alu-Heck beispielsweise. Und robuste Karbonteile, denen es aber noch am Finish krankt. Hier verspricht Stember Nacharbeit. Der Dreizylinder hat die nicht nötig.
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